Semesterferien 2

54 - Antonia, Hannah, Klara, Yvonne, Sophie @ Mädels-Zimmer 2

Sophie hatte am längsten im Speisesaal ausgeharrt. Zum einen hatte sie darauf gehofft, dass Jennifer doch noch dazustoßen würde. Dann hätten sie schon einmal ausführlich über den Shopping-Trip und die daraus resultierende Beute sprechen können.

Zum anderen wollte die Kunststudentin eine Gelegenheit abpassen, um mit Moritz allein zu sein. Daraus wurde jedoch nichts. Kaum, dass Jessica, Lee und Theresa aufgestanden waren und Mike sowie Nico am Tisch zurückgelassen hatten, waren diese auf die freien Plätze am Tisch von Robert, Erik und eben Moritz gewechselt.

Gemeinsam hatten sich die Herren der Schöpfung noch einen Nachtisch gegönnt, ehe sie aufgestanden waren und den Speisesaal verlassen hatten. Einzig David fehlte in der Runde und als Sophie genauer darüber nachdachte, stellte sie fest, dass er zu keinem Zeitpunkt beim Abendessen gewesen war.

›Vielleicht hatte er einfach keinen Hunger‹, dachte die Studentin bei sich, während sie als Letzte den Speisesaal verließ.

Auf dem Weg nach oben hörte sie bereits ein leises Schluchzen, das immer lauter wurde, je näher sie der zweiten Etage kam. Den Grund dafür erkannte Sophie, als sie Yvonne und Hannah auf den Treppenstufen zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss antraf. Die beiden Frauen saßen dort eng beieinander und letztere hatte einen Arm um ihre Freundin gelegt.

Gerade als Sophie einen bissigen Spruch loslassen wollte, erkannte sie die Tränen, die über Yvonnes Wangen rollten. Gleichzeitig traf sie Hannahs Blick. Dieser war nicht wie üblich von Verachtung geprägt, sondern eine klare Bitte, sie in Ruhe zu lassen.

Obwohl Sophie nur wenige Sekunden dastand und die Szene betrachtete, kam es ihr wie eine Ewigkeit vor. Sie dachte an all die Dinge, die sie sich gegenseitig an den Kopf geworfen hatten und auch an Moritz Ansprache vom Vorabend. Der Vergleich mit Antonia hatte sie schwer getroffen und wenn sie ehrlich war, hatte der Kommilitone ein Stück weit recht.

»Hey«, meinte Sophie vorsichtig, während sie sich zu den beiden setzte.

»Lass uns in Ruhe«, gab Yvonne von sich, ehe sie ihr Gesicht in Hannahs Schulter vergrub.

»Ich kann verstehen, dass ich vermutlich eine der letzten Personen bin, von denen du getröstet werden willst«, erklärte die Kunststudentin. »Es tut mir unglaublich leid, was ich vorhin gesagt habe.«

Während Yvonne sie noch immer nicht ansehen wollte, formte Hannah mit ihrem Mund lautlos die Worte: »Mir auch.«

»Ich kann verstehen, wie es euch mit diesen verdammten Nacktfotos geht«, fuhr Sophie fort und sie legte vorsichtig eine Hand auf Yvonnes Schulter.

Die Mitstudentin schüttelte diese ab und sah Sophie durch ihre vom Weinen roten Augen an. »Was weißt du schon?«

»Du erinnerst dich an den Studienführer, oder?« Sophie lächelte und versuchte ruhig zu bleiben. »Sich nackt vor dem gesamten Kurs auszuziehen und neunzig Minuten lang zeichnen zu lassen ist das eine. Die Fotos aus dem Kurs und die ganzen Handyfotos vom BWL-Kurs das andere. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, ob es noch irgendjemanden an der Uni gibt, der mich nicht nackt gesehen hat.«

Yvonne und Hannah hörten der Mitstudentin zu. Letztere dachte währenddessen an den Micro-Bikini vom Nachmittag und dass es am Ende doch nur halb so schlimm gewesen war. Immerhin waren ihre Schamspalte und die Brustwarzen bedeckt gewesen und anstatt der gesamten Uni hatte sie nur ein kleiner Teil der Mitstudenten so gesehen.

»Warum sitzt ihr hier draußen?«, wollte Sophie schließlich wissen. »Was ist mit Antonia und Klara?«

»Klara liegt fast schon apathisch auf ihrem Bett und kann es kaum aushalten, dass sie noch eine Aufgabe erfüllen muss«, erzählte Hannah. »Na ja, und Antonia ist halt Antonia. Sie blendet die ganze Sache aus und sagt, wir sollen uns mal nicht so haben.«

»Die hat gut reden«, platzte es plötzlich aus Yvonne hervor. »Von wegen: ›Du hast es ja hinter dir. Mach mal nicht so ein Theater.‹!«

»Klingt nach ihr«, meinte Sophie und sie versuchte es mit einem aufmunternden Lächeln.

»Zeig mir das Foto«, forderte Yvonne plötzlich.

»Ich weiß nicht, ob du das wirklich sehen willst«, gab Sophie zurück. Wenige Minuten vorher war sie noch unglaublich stolz auf den Schnappschuss gewesen, doch das war nun nicht mehr der Fall. »Am besten ich lösche es einfach.«

»Zeig es mir!«

»Wie du magst.«

Sophie holte ihr Handy aus der Hosentasche, entsperrte es und öffnete die Fotogalerie. Das letzte Bild füllte sofort das komplette Display aus und schweigend gab die Studentin das Gerät weiter.

»Das Bild ist dir gelungen«, meinte Yvonne mit einem selbstironischen Unterton.

Auf dem Foto blieb kein Detail verborgen. Jeder Klecks Sperma und jeder Faden, den die zähflüssige Masse auf Yvonnes Gesicht gezogen hatte, war zu erkennen. Dazu kam der überraschte Gesichtsausdruck der abgelichteten Studentin, als wäre sie gerade erst Sekunden zuvor im Gesicht bespritzt worden.

Wortlos gab Yvonne das Handy zurück und da sie keine Anstalten gemacht hatte, das Bild zu löschen, holte Sophie diesen Schritt nach. Sie wollte es nicht mehr Jennifer zeigen. Ihre Worte würden ausreichen müssen und mit Sicherheit nicht so garstig ausfallen, wie ursprünglich geplant.

»Warum bist du plötzlich so nett zu uns?«, wollte Hannah wissen.

»Als ich euch hier sitzen gesehen habe, habe ich mich wieder erinnert, wie es mir ging, nachdem meine Fotos die Runde gemacht hatten«, erklärte Sophie.

»Du bist sicher immer noch auf Rache aus, hm?«, kam es von Yvonne.

»Nicht mehr«, ließ die Kunststudentin die beiden überraschten Kommilitoninnen wissen. »Gestern Abend um diese Zeit hätte ich noch ja gesagt, aber jetzt ist das Thema für mich abgeschlossen.«

»Was hat sich geändert?« Hannah und Yvonne sahen Sophie neugierig an.

»Ich wurde daran erinnert, dass ich selbst nicht ganz unschuldig an der Situation war.«

»Wie meinst du das?«

»Ich habe Leonie in der Woche zuvor absichtlich gezogen«, gestand Sophie. »Tja, und wie es scheint, habe ich mir damit keine Freunde gemacht. Wie man in den Wald hineinruft, nicht wahr?«

Hannah und Yvonne nickten. Natürlich wollten sie sich nicht eingestehen, dass sie diese Art der Bestrafung verdient hatten. Sie vermuteten jedoch zu Recht, dass jemand aufgrund ihres Verhaltens einen Groll gegen sie hegte. Ob es eine Möglichkeit gab, dem zu entkommen?

»Aber sieh es mal positiv«, meinte Sophie nach einem kurzen Moment des Schweigens zu Yvonne, welche sie fragend ansah. »Du hast Robert alles abverlangt. Der wollte nur noch ins Bett.«

»Yve hat es eben drauf«, gab Hannah grinsend ihren Senf dazu.

»Also, wenn das nicht alles gewesen ist, will ich nicht wissen, wozu der Kerl noch fähig ist«, meinte Yvonne, die schon wieder lachen musste, mit einem Fingerzeig auf Sophies Handy.

»Warum eigentlich Robert?«, wollte Sophie wissen. »Ich meine nicht, dass das für die Aufgabe eine Rolle gespielt hätte, aber was meinte Antonia damit, dass er dir aus der Hand frisst?«

»Ach, wir haben nur gestern Abend und heute Morgen beobachtet, wie sich Amelie an Robert rangemacht hat«, erklärte Hannah. »Na ja, und dann dachten wir, es wäre lustig, wenn Yvonne ein bisschen mit ihm flirtet und ihr zuvorkommt.«

»War eine dumme Sache, zugegeben«, gestand ihre Freundin. »Er hat aber auch gestern schon mit uns geflirtet. Außerdem wollte ich mir wohl selbst etwas beweisen.«

»Mit welchem Ziel?«, kam die nächste Frage von Sophie.

»Ich hatte nichts Konkretes geplant«, meinte Yvonne. »Es sollte ein kleiner Urlaubsflirt werden. Wie gesagt, ging es in erster Linie darum Amelie zu ärgern. Vielleicht hätte ich ihn auch nur die ganze Zeit zappeln lassen und vielleicht wäre es zu mehr gekommen, aber doch nicht so! Was soll er denn jetzt von mir denken?«

»Also in erster Linie glaube ich, dass er heute Nacht von dir träumen wird«, stellte Sophie grinsend fest. »Aber du machst dir zu viele Gedanken. Vermutlich überlegt er nur, wie er es nochmal haben kann. Dann hast du deine Chance, ihn zappeln zu lassen.«

»Wenn uns nicht noch eine Aufgabe dazwischen funkt«, gab Hannah zu bedenken.

»Ich dachte, jede von euch bekommt eine Aufgabe.« Sophie sah die beiden Mitstudentinnen fragend an. »Damit bleiben doch nur noch Antonia und Klara.«

»Zumindest, wenn unser Erpresser danach auch wirklich genug hat«, stellte Hannah fest. »Haben wir denn Anlass alles zu glauben, was wir geschickt bekommen?«

»Stimmt auch wieder.« Sophie nickte nachdenklich. »Na ja, falls ich euch beiden oder Klara irgendwie helfen kann, lasst es mich wissen.«

»Was ist mit Antonia?«, wollte Yvonne wissen.

»Lasst mich auch wissen, wenn sie an der Reihe ist«, gab Sophie zurück. »Das will ich für nichts auf der Welt verpassen.«

»Genau«, stimmte Hannah zu. »Sie soll sich dann mal nicht so haben.«

»Kommt ihr mit ins Zimmer?«, wollte Sophie wissen.

»Wenn es denn sein muss«, gab Yvonne mit einem Augenrollen zurück, ehe sie sich von den zwei Mitstudentinnen aufhelfen ließ.

Zu dritt liefen sie die halbe Etage nach oben und gingen ins Zimmer. Dort lagen Antonia und Klara wie von Yvonne und Hannah beschrieben jeweils auf ihren Betten. Keine der beiden kommentierte das gemeinsame Auftauchen von Hannah, Yvonne und Sophie, wofür letztere dankbar war. Sie wollte sich vor dem nächtlichen Treffen mit Moritz nicht die Stimmung versauen lassen.

Klara lag auf dem Rücken und dachte über den Tag nach. Die große Freude über die verschwundenen Nacktbilder hatte mit dem Beginn der Nachrichten ein jähes Ende gefunden. Die hochgewachsene Sportstudentin schauderte bei dem Gedanken, eine ähnliche Aufgabe wie Yvonne zu erhalten oder sich wie Hannah zur Schau stellen zu müssen.

Plötzlich vibrierte es in ihrer Hose. Hannah, die ein Bett weiter lag und ihrerseits mit dem Handy beschäftigt war, sah auf. Sonst hatte es keine der anderen mitbekommen. Mit zitternden Fingern holte Klara ihr Smartphone aus der Hosentasche und obwohl sie damit gerechnet hatte, sorgte die Information, dass sie eine neue Nachricht von einem unbekannten Kontakt erhalten hatte dafür, dass sich ein Eisklumpen in ihrer Magengegend formte.

»Bereit für deine Aufgabe?«, las sie.

»Wer bist du? Was willst du?«, schrieb Klara zurück.

»Ich stelle hier die Fragen«, kam kurz darauf die nächste Nachricht. »Bist du nun bereit, deinen Teil dazu beizutragen, dass die Fotos unter Verschluss bleiben?«

Natürlich wusste Klara, dass sie kaum eine andere Wahl hatte, schon allein, weil Hannah und Yvonne bereits ihren Teil getan hatten, den Erpresser zufriedenzustellen. Dennoch konnte sie sich nicht überwinden, die Frage zu bejahen, ehe zwei Minuten später die nächste Nachricht kam.

»Natürlich könnte ich auch dafür sorgen, dass jeder von deinem Geheimnis erfährt«, stand darin. Klaras Finger zitterten. »Nicht einmal sechzehn Jahre … so unschuldig.«

Der Sportstudentin wurde heiß und kalt. Woher wusste diese Person davon? Klaras Atmung wurde immer schneller und sie musste aufpassen, nicht zu hyperventilieren. Das durfte nicht rauskommen!

»Ich mache, was du willst, aber behalte bitte alles für dich«, schrieb Klara schließlich.

Minutenlang kam keine Antwort. Nachdem Klara den ganzen Abend gehofft hatte, nichts von dem Erpresser zu hören, sehnte sie sich nun nach einer Aufgabe. Irgendetwas, das sie tun konnte, um das erwünschte Schweigen zu erkaufen.

»Was will er?«, kam es plötzlich von Hannah, die zu Klara hinübergekommen war und der Kommilitonin den Schreck ihres Lebens bescherte.

»Was? Oh Gott«, entfuhr es der Sportstudentin, während auch Yvonne und Antonia dazukamen. »Hat er noch nicht geschrieben.«

Sophie hielt sich im Hintergrund und vernahm dennoch das Vibrationsgeräusch des Handys, als Klaras Aufgabe ankam. Sie versuchte anhand der Reaktion der Kommilitonin zu erahnen, wie schlimm es war.

Wie lautet die Aufgabe für Klara?

  • Sie soll sich während der Frühstücks in die Hose pinkeln.
  • Sie soll in einem Minikleid ohne Unterwäsche am Strand Seilspringen.
  • Sie soll Unterschriften auf Brüsten, Po und Scham sammeln.

Die Umfrage ist geschlossen. Das Ergebnis ist geheim. (246 Stimmen)



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