Semesterferien 2

2 - Emily, Franziska, Amelie @ Mädels-Zimmer 1

Emily rannte gut gelaunt die letzten Meter bis zu ihrem Zimmer. Als sie außer Atem dort ankam und nach der Schlüsselkarte kramte, musste sich über sich selbst lachen. Warum war sie gerannt? Im Gegensatz zu Erik hatte sie Klamotten an. Bei dem Gedanken an ihren nackten Mitstudenten kamen der jungen Frau sofort Ideen, was sie in den nächsten Tagen mit ihm anstellen wollte.

Emily öffnete leise die Tür zum Zimmer. Darin war es fast komplett dunkel. Lediglich die Leselampe am Bett von Franziska, Emilys bester Freundin, brannte. Die Blondine lag auf ihrem Bett und las einen Krimi.

»Ganz allein?«, wollte Emily wissen.

»Wenn sich meine beste Freundin tagelang kaum blicken lässt«, stellte Franziska fest, ohne von ihrem Buch aufzusehen.

»Es tut mir leid, Franzi«, entschuldige sich Emily.

Sie warf ihre Tasche mitsamt Eriks Klamotten vor das untere Bett und stieg anschließend die Leiter empor zu Franziska. Diese legte ihr Buch beiseite und lächelte Emily an.

»Hattest du einen schönen Tag?«, fragte Franziska.

»Hatte ich«, versicherte Emily. Sie hätte am liebsten alles erzählt und doch sollten die Erlebnisse mit Laura und ihren Freunden ein Geheimnis bleiben. Von Erik ganz zu schweigen. »Ich war allein am Strand und habe die Zeit vergessen.«

»Das ist dir in den letzten Tagen öfter passiert«, merkte Franziska an und zog eine Augenbraue hoch.

»Es tut mir leid. Ich werde ab sofort mehr Zeit für dich haben, versprochen. Und bitte sag mir, dass du dich nicht wieder den ganzen Tag hier verkrochen hast.«

»Ich verkrieche mich nicht!«

»Du gehst Antonia aus dem Weg«, erinnerte Emily. »Dass sie dich vor allen geoutet hat, war nicht okay. Aber du musst das hinter dir lassen. Außerdem haben sie und ihre Clique ihr Fett wegbekommen.«

»Ich wüsste nur zu gern, was da passiert ist«, meinte Franziska. »Irgendwie muss ich da noch jemandem einen ausgeben.«

»Genieß doch einfach die Erinnerung an ihre Demütigung.«

»Und die Fotos auf meinem Handy«, gab Franziska mit einem breiten Grinsen zu bedenken.

»Und die«, stimmte Emily zu. »Was willst du denn nun morgen machen, wo du dich nicht verkriechen willst?«

»Zeig mir doch diesen magischen Ort am Strand, an dem man so schnell die Zeit vergisst.«

»Versprochen«, gab Emily zurück, während ihr die Augen zufielen.

Der lange, anstrengende Tag forderte seinen Tribut. Franziska strich sanft durch Emilys Haare. Sie genoss den süßen Duft ihrer Freundin. Wenn diese doch nur mehr als das wäre.

»Dann sollte ich wohl mal überlegen, welchen Bikini ich morgen anziehen will«, dachte Franziska laut nach.

»Den wirst du nicht brauchen«, kam es von Emily im Halbschlaf, während ein Grinsen ihr Gesicht zierte.

Franziska kannte ihre Freundin gut genug, um zu wissen, dass sie im Halbschlaf alles verraten würde. In diesem Zustand war kein Geheimnis bei Emily sicher. Am nächsten Tag würde sie sich nicht mal mehr an ein Geständnis erinnern können.

Franziska war jedoch nur kurz in Versuchung und entschied sich einmal mehr, das Vertrauen ihrer Freundin nicht zu missbrauchen. Stattdessen ließ sie ihre Gedanken schweifen. Ein Tag am Strand mit Emily und das ohne Bikinis klang verlockend. Während sie darüber nachdachte, schob Franziska ihr Buch final beiseite und kuschelte sich an die schlafende Emily.

Keine Minute später öffnete sich die Tür erneut und Amelie kam herein. Ihr Blick schweifte kurz durchs Zimmer. Nachdem sie die zwei Schlafmützen entdeckte hatte, ging die Studentin zu ihrem Bett und setzte sich darauf. Anschließend ließ sie den Kopf hängen.

»Alles okay?«, kam es dann doch aus dem Halbdunkel von Franziska.

»Na ja, ich hätte auch besser hierbleiben und lesen sollen.«

»Wie kommt’s?«

»Ach, keine Ahnung«, meinte Amelie.

In Wirklichkeit wusste die Zwanzigjährige genau, was ihr auf den Magen schlug. Sie hatte den ganzen Abend versucht, Robert in ein Gespräch zu verwickeln, doch er hatte lediglich Augen und Ohren für Yvonne gehabt. Jetzt war Amelie nur noch nach einer heißen Dusche und ihrem Bett zumute.

»Ich bin gleich wieder da«, meinte sie, während sie ihre Sachen fürs Bad zusammensuchte. »Wo sind die anderen?«

»Die wollten nochmal an den Strand.«

»Scheinbar hatte jeder einen besseren Plan für den Abend als ich«, murmelte Amelie und verließ das Zimmer. »Bis gleich.«

»Bis gleich«, gab Franziska zurück, ehe sie sich wieder an Emily kuschelte.


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