Semesterferien 2

47 - Jessica, Lee, Theresa, Amelie, Robert, Moritz, Mike @ Keller

Im Keller der Jugendherberge verfolgten vier nackte Studentinnen nervös die zwischen ihnen rotierende Flasche. Alle vier fröstelten leicht, obwohl es in dem Duschraum warm war. Die Vorstellung, sich gleich nackt im Flur präsentieren zu sollen, war für jede der Frauen gleichermaßen erregend und nervenaufreibend.

Das Spielgerät verlor zunehmend an Geschwindigkeit und jede Spielerin, an welcher der Flaschenhals vorbeikam, hielt kurz die Luft an. Erst Amelie, dann Theresa, danach Jessica und anschließend Lee, bevor die Flasche final auf Amelie zeigte.

Die auserwählte Studentin merkte, wie von einem Moment auf den anderen eine Gänsehaut ihren Körper überzog, während sich ein flaues Gefühl im Magen ausbreitete. Was hatte sie sich nur bei dieser Aufgabe gedacht? Würde sie genügend Mut haben, um es zu durchzuziehen?

»Dann mal schnell unter die Dusche«, meinte Jessica. »Du willst doch deinen großen Auftritt nicht verpassen.«

»Genau«, stimmte Theresa zu. »Dann müsste einer der Herren auf seine unverhoffte Überraschung verzichten.«

»Und das kannst du doch nicht wollen, oder?«, meinte Lee und grinste. »Es war immerhin deine Idee.«

»Ich weiß«, gab Amelie kurzangebunden zurück, ehe sie in eine der Duschkabinen trat.

Auch die anderen drei Studentinnen verschwanden jeweils in einer Kabine, zogen den Vorhang zu und genossen anschließend das warme Wasser auf ihrer Haut. Doch so gut es sich auch anfühlte, das Meerwasser und den Sand vom Körper zu waschen, so sehr wollte keine von ihnen das kommende Spektakel verpassen.

Am Ende waren Jessica, Lee und Theresa lange vor Amelie fertig. Die Kunststudentin brauchte eine Aufforderung von Theresa, um endlich unter der Dusche hervorzukommen und sich halbwegs abzutrocknen. Lee wies darauf hin, dass die Männer vermutlich nicht so lange brauchen würden. Anschließend hatte Amelie kaum Zeit, sich das Handtuch umzubinden, bevor sie von den anderen aus dem Duschraum auf den Flur geschoben wurde.

So fand sich eine nur in ein Handtuch gehüllte junge Frau im Kellerflur der Jugendherberge wieder und hatte einmal mehr die Gelegenheit, sich für die selbst erdachte Aufgabe zu verfluchen. Dabei ließ Amelie immer wieder einen nervösen Blick Richtung Herrendusche schweifen. Was, wenn Robert und Moritz zu zweit rauskommen würden? Oder gar alle drei auf einmal? Wäre es nicht fast am besten, wenn es Mike allein wäre?

›Oh Gott‹, dachte Amelie bei sich. ›Wünsche ich mir jetzt schon, dass Mike mich noch einmal nackt sieht?‹

Dann warf sie einen Blick die andere Richtung den Gang hinunter und der Studentin wurde die Möglichkeit bewusst, dass eine oder mehrere andere Personen jederzeit den Flur entlang kommen könnten. Sofort dachte sie an die anderen Männer der Reisegruppe, ehe ihr Antonia und deren Freundinnen in den Sinn kamen. Was, wenn eine von ihnen etwas davon mitbekam, wie sie sich vor Robert, Moritz oder Mike entblößte? Oder vor allen dreien auf einmal? Dann wäre sie sicher als notgeile Schlampe abgestempelt.

Jessica, Lee und Theresa standen an der Tür der Frauendusche und linsten hinaus. Keine der drei Freundinnen hatte die Zeit gefunden, sich anzuziehen. Sie wollten nichts verpassen und hatten ebenfalls nur Handtücher umgebunden, während sie genauso gespannt wie Amelie darauf warteten, welcher der Kommilitonen als erster die Dusche verlassen würde.

Dann war es soweit. Obwohl es nur ein leises Klicken war, zuckte Amelie sichtlich zusammen, als sich die Tür zur Männerdusche öffnete. Das Herz der Kunststudentin rutschte in die nicht vorhandene Hose, als Robert in den Flur trat.

»Los Jungs, jetzt macht mal hin«, meinte er zu seinen Freunden, während er einen Blick zurückwarf und Amelie noch immer nicht gesehen hatte. »Es gibt bald Essen und ich …«

Weiter kam der Student nicht. Er hatte Amelie entdeckt und sah die Kommilitonin verwundert an. Warum stand sie nur mit einem Handtuch um den Körper auf dem Flur und sah ihn so entgeistert an?

»Alles okay bei dir?«, wollte er wissen.

Amelie wusste, dass sie nur kurz den Knoten lösen musste und die Schwerkraft den Rest der Arbeit übernehmen würde. Jedoch konnte sich die Studentin nicht dazu durchringen, es zu tun. Zweifel dröhnten immer lauter in ihrem Kopf. Was, wenn sie Robert nicht gefiel?

»Sie hatte viel zu viel Zeit um die Sache zu überdenken«, stellte Lee im Duschraum fest.

»Nicht jede lässt bei der ersten Gelegenheit alle Hüllen fallen«, gab Jessica zu bedenken und grinste.

»Zumindest nicht freiwillig«, kam es von Theresa. »Zeit für eine kleine Strafverschärfung.«

Amelie stand noch immer wie angewurzelt im Flur und sah Robert mit großen Augen an. Sie bekam nicht mit, wie Theresa die Tür etwas weiter öffnete und ihren Arm hinausstreckte.

Erst als das schützende Handtuch gepackt und von ihrem Körper gerissen wurde, löste sich Amelie aus ihrer Schockstarre. Jedoch nur, um direkt in die nächste zu verfallen.

Die Kunststudentin spürte den kühlen Luftzug des Kellers auf ihrem nackten Körper, von dem Robert dank des grellen Neonlichts kein Detail verborgen blieb. Der Student sah seine Kommilitonin mit offenem Mund an. Ohne dass er etwas dagegen tun konnte, brannte sich der Anblick der kleinen Brüste und des Schamhaarbuschs in sein Gedächtnis ein.

Eine gefühlte Ewigkeit später schaffte Amelie es, wieder klar zu denken. Schnell legte sie einen Arm über ihre Brüste und schob eine Hand vor den Intimbereich, während ihr Gesicht knallrot wurde. Beschämt rannte sie Richtung Frauendusche, doch die Tür wollte sich nicht öffnen.

»Lasst mich rein!«, rief sie.

»Du hast deine Aufgabe nicht wie vorgegeben erfüllt.« Theresa hatte die Tür einen Spalt breit geöffnet und verhinderte gemeinsam mit ihren Mitbewohnerinnen, dass Amelie hereinkommen konnte. »Daher haben wir uns für eine Strafverschärfung entschieden.«

»Kommt schon«, kam es nun wieder von Amelie.

»Zuerst gibst du ihm einen Kuss«, erwiderte Theresa. »Entweder das oder du musst nackt aufs Zimmer.«

Jessica und Lee nickten zustimmend.

Amelie wollte bereits protestieren, als ihr wieder einfiel, wie Jessica auf die Strafverschärfung für Theresa bestanden hatte, weil es sie selbst am Abend zuvor erwischt hatte. Die Kunststudentin hatte keine Zweifel, dass ihre Mitspielerinnen sie nicht so leicht vom Haken lassen würden. Zudem wusste sie, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch Moritz und Mike fertig geduscht hatten. Dann würde sie drei Kommilitonen nackt gegenüberstehen und das auch nur, wenn nicht noch jemand in den Keller kam.

Die nackte Studentin nahm daher ihren gesamten Mut zusammen und lief das kurze Stück durch den Flur zu Robert. Der junge Mann hatte sich höflich zur Seite gedreht und sah zu Boden. Als er hörte, wie Amelies nackte Füße über den Gang liefen, sah er überrascht auf.

»Was hat das zu bedeuten?«, wollte er wissen, als die junge, nackte Frau vor ihm stand.

Anstatt eine Antwort zu geben, griff Amelie nach Roberts Kopf und zog ihn etwas herunter, sodass sie ihm einen Kuss auf die Wange geben konnte. Zu keinem Zeitpunkt dachte sie daran, ihren Körper hinter Händen oder Armen zu verstecken, sodass Robert noch einmal jedes intime Detail zu sehen bekam.

Als sich im nächsten Moment die Tür zur Männerdusche öffnete, löste Amelie, so schnell es ging, den Kuss und lief zurück zur Frauendusche, wo sie die Tür offen vorfand. Moritz und Mike, welche zu Robert stießen, konnten gerade noch ihren nackten Po verschwinden sehen.

»Was war das denn?«, wollte Moritz wissen.

»Wenn ich das wüsste«, erwiderte Robert.

»Ich glaube, das muss an der frischen Meeresluft liegen«, dachte Mike laut nach. »Die scheint einige ungeahnte Seiten freizulegen.«

»Vielleicht liegt es auch an mir«, meinte Robert und grinste.

»Na ja, ich kenne dich ja nun schon eine Weile«, kam es von Moritz. »Und ich kann mit Gewissheit sagen, dass es nicht an dir liegt.«

»Du bist ein Spacken.«

›Zumindest ein Spacken mit einem Date heute Nacht‹, dachte Moritz grinsend bei sich. Vielleicht hatte Mike ja mit seiner Theorie bezüglich der Meeresluft recht. Dann war es auf jeden Fall eine gute Idee mit Sophie an den Strand zu gehen. »Wollen wir hochgehen und danach essen?«

»Klingt gut«, meinte Mike. »Oder magst du hier unten noch was naschen, Robert?«

»Na klasse«, erwiderte Robert. »Zwei von der Sorte.«

»Dann passt du ja gut zu uns«, stellte Moritz fest und zu dritt verließen sie den Keller.

In der Frauendusche rang Amelie immer noch nach Atem und nach wie vor zitterte ihr ganzer Körper vor Aufregung. Die Studentin war sich sicher, dass sie diese Begegnung ihr Leben lang nicht vergessen würde.

»Ich bin beeindruckt«, stellte Theresa fest, während sie Amelie das entwendete Handtuch wieder umlegte. »Wenn Robert jetzt noch an etwas anderes als an dich denken kann, ist ihm nicht mehr zu helfen.«

»Eine wirkliche Wahl habt ihr mir ja nicht gelassen«, beschwerte sich Amelie. »Was wäre gewesen, wenn noch jemand in den Flur gekommen wäre?«

»Vergiss nicht, dass es deine Idee war«, erinnerte Lee. »Außerdem kannst du jederzeit aussteigen, wenn du nicht mehr weiterspielen willst.«

»So leicht kommt ihr mir nicht davon«, entgegnete Amelie. »Ich spiele weiter und werde peinlich genau darauf achten, wann eine Strafverschärfung fällig ist.«

»Wir sind gespannt«, meinte Jessica grinsend. »Wie lautet die nächste Aufgabe?«

»Ich bin mir noch nicht sicher«, antwortete Amelie, während sie sich anzog.

»Na ja, vielleicht denkst du dieses Mal etwas länger darüber nach«, stellte Lee fest und lachte. »Und nie vergessen: Es kann dich auch immer selbst treffen.«

»Glaub mir, das ist mir aktuell sehr bewusst«, kam es von Amelie, die auch schon wieder lachen konnte. »Aber keine Angst, mir fällt schon was Gutes ein.«

»Wir lassen uns gern überraschen«, meinte Theresa. »Du kannst dir auch überlegen, ob du nachher im Zimmer beziehungsweise der Jugendherberge spielen willst oder ob wir das Ganze wie gestern Abend an den Strand verlagern.«

»Ich denke darüber nach«, ließ Amelie die anderen wissen. »Jetzt habe ich erst mal Hunger.«

»Was denn?«, wollte Jessica wissen. »Keine Schmetterlinge mehr im Bauch?«

»Die kommen wieder«, prophezeite Lee.

»Mit euch habe ich echt einen Fang gemacht«, stellte Amelie fest, während sie gespielt mit den Augen rollte.

»Ich dachte, den hätte Robert eben gemacht«, warf Theresa ein und lachte.

Die vier Studentinnen verließen die Dusche, um ihre Sachen ins Zimmer zu bringen und anschließend zum Abendessen zu gehen. Noch wusste Amelie nicht, wie sie Robert begegnen sollte. Und was war mit Moritz und Mike?

Wo wird später Flaschendrehen gespielt?

  • [58,0%] Im Zimmer
  • [42,0%] Am Strand

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