Semesterferien

Kapitel 1

Die Vorlesungen waren absolviert und die Prüfungen geschrieben. Nach fünf Semestern hatten Laura, Kerstin, Janine, Julian und Tim es fast geschafft. Alle hatten gemäß Studienplan ihre Leistungen erbracht und benötigten nur noch die Bachelorarbeit für den Abschluss.

Jeder der fünf wollte diesen finalen Part mit einem Praktikum verknüpfen und keine ausschließlich theoretische Arbeit verfassen. Das hatte zur Folge, dass es sie im nächsten Semester in verschiedene Städte zu verschiedenen Unternehmen ziehen würde. Nach zweieinhalb Jahren Seite an Seite leben, lernen und lachen eine komische Vorstellung.

Und das war erst der Anfang. Während Tim und Janine genug von der Uni hatten und anschließend direkt ins Arbeitsleben einsteigen wollten, strebten die anderen drei einen Master an unterschiedlichen Hochschulen an. Laura ging sogar noch einen Schritt weiter und dachte über eine wissenschaftliche Karriere nach.

Aus diesem Grund hatten die fünf Freunde beschlossen, den letzten gemeinsamen Sommer gebührend zu feiern. Sie hatten zusammengelegt, um sich ein Ferienhaus am Meer zu mieten und waren am Vortag angekommen. Eine ganze Woche voller Entspannung und gemeinsamen Spaß lag vor ihnen.

Das Haus bot jede Menge Platz. Während sie die beiden Schlafzimmer nach Geschlechtern getrennt hatten, lud eine große, gut eingerichtete Wohnküche zum gemeinsamen Kochen und Relaxen ein. Das große Badezimmer mit Badewanne, Dusche und Doppelwaschbecken komplettierte die Räume und ließ keine Wünsche offen.

Nach einem langen Tag am Strand mitsamt einer ausgiebigen Partie Beachvolleyball hatte Julian darauf bestanden, als Erster duschen zu gehen. Da er im Gegenzug versprach, sich anschließend um das Essen zu kümmern, stimmten die anderen bereitwillig zu. Wenig später stand er wie versprochen in der Küche, während Kerstin und Janine sich eine Dusche gönnten.

Laura klopfte an die Badezimmertür. »Wie weit seid ihr?«, wollte sie wissen.

»Fast fertig«, antwortete Kerstin und schloss die Tür von innen auf. »Komm rein.«

»Danke«, sagte Laura und zog die Tür hinter sich wieder zu.

Janine stand vor einem der Waschbecken. Sie war lediglich in ein Handtuch gehüllt und föhnte ihre dunkelblonde Mähne. Kerstin war schon einen deutlichen Schritt weiter. In Unterwäsche gekleidet hatte sie ein Bein auf dem Rand der Badewanne abgestellt und cremte dieses ein.

Neidisch blickte Laura auf das D-Körbchen, während sie ihre frischen Klamotten für später beiseite legte. Langsam suchte sie ihre Sachen aus ihrem Fach zusammen und stellte Duschbad sowie Shampoo in die Ablage der Dusche. Anschließend spielte sie mit ihren langen braunen Haaren und überlegte, ob sie diese heute waschen wollte.

»Ist sie nicht süß?«, meinte Kerstin mit einem Seitenblick auf Laura zu Janine, während sie das Bein auf dem Badewannenrand wechselte. »Wenn sie noch langsamer macht, schläft sie ein.«

»Ich mache gar nicht langsam«, erklärte Laura, doch die einsetzende Schamesröte verriet sie.

»Ist klar«, sagte Janine und grinste. »Wir schauen dir schon nichts weg. Abmarsch unter die Dusche.«

Natürlich kannten die beiden Frauen ihre Freundin gut. Nacktheit war etwas, dass Laura schwerfiel; selbst vor ihren beiden besten Freundinnen.

»Du zögerst immer noch«, stellte Janine fest und grinste. »Ist doch nichts dabei. Als ich gestern duschen war, waren Tim und Julian kurz zum Zähneputzen drin.«

»Du hattest ja noch den Duschvorhang davor«, meinte Laura und obwohl sie wusste, dass dieser blickdicht war, wurde ihr schon bei dem Gedanken ganz anders.

»Du kannst es ja auch so machen wie diese Sabine heute und komplett nackig am Strand rumrennen. Das hilft vielleicht gegen das Schamgefühl«, schlug Janine vor. Während sie sprach, löste sie den Knoten ihres Handtuchs, sodass dieses zu Boden fiel. Danach stand sie splitterfasernackt im Bad und kümmerte sich weiter in Seelenruhe um ihre Haare.

Laura konnte nicht anders und sah an ihrer Freundin auf und ab. Janine hatte wie immer kein Härchen unterhalb des Halses an ihrem Körper. Jeder Zentimeter ihrer Haut war glatt. Ihre Brüste waren ebenfalls deutlich größer als die von Laura.

»Gefalle ich dir?«, wollte Janine, welche die Blicke sehr wohl bemerkt hatte, wissen und wackelte mit dem Po.

»Ähm … ich …«, stotterte Laura und fing an sich auszuziehen.

»Alles gut, Süße«, sagte Janine und lächelte sie an. »Reden die Jungs eigentlich noch über ihre FKK-Göttin?«

»Sie sprechen über nichts anderes«, versicherte Laura, die schnell ihre Unterwäsche auszog und hinter dem Duschvorhang verschwand. »Also ich könnte das nicht.«

»Wissen wir«, meinte Kerstin und lachte.

»Ich hatte schon den Eindruck, dass sie sich am Anfang etwas geschämt hat«, stellte Laura rückblickend fest.

»Wenn, dann hat sie es schnell abgelegt«, gab Kerstin zurück. »Tim und Julian bekamen stellenweise den Mund nicht mehr zu.«

»Männer halt«, stellte Janine klar. »Kaum wackeln da ein paar Brüste vor ihren Augen, wissen sie nicht mehr wo vorn und hinten ist.«

»Als wäre es bei dir anders«, konterte Kerstin.

»Touché!« Janine lachte. Ihre bisexuellen Neigungen waren allen bekannt.

Wie Kerstin zog sie sich fertig an und verließ dann mit ihr das Badezimmer.

»Und schön gründlich den Sand abwaschen«, rief Kerstin Laura zu, ehe sie die Badezimmertür hinter sich schloss.

Ihre brünette Freundin freute sich hingegen über den Moment, als sie im Bad allein war und ihre Ruhe hatte. Sie genoss das warme Wasser auf ihrer Haut und die Aussicht auf das duftende Duschbad.

»Na, fühlt ihr euch besser?«, wollte Julian wissen, als Janine und Kerstin in die Wohnküche kamen.

»Auf jeden Fall«, meinte Kerstin. »So eine Dusche tut immer wieder gut.«

»Obwohl ich euch beiden nach der Begegnung mit Sabine eher eine eiskalte Dusche empfohlen hätte«, warf Janine lachend ein.

»Spricht da die Eifersucht?«, wollte Tim wissen und Julian fügte hinzu: »Ihr könntet euch ja auch mal was überlegen, wie ihr unsere ungeteilte Aufmerksamkeit erhalten könnt.«

»Oder ihr unsere«, erwiderte Janine und zwinkerte ihm zu.

»Ist das Bad frei?«, wollte Tim wissen.

»Ja«, kam es sofort von Kerstin.

Janine die bereits ebenfalls zu einer Antwort angesetzt hatte, hielt kurz inne und grinste dann. »Ja, ist frei. Viel Spaß.«

»Danke«, meinte Tim. »Bekommst du den Rest allein hin, Julian?«

»Du willst wissen, ob ich die Nudeln ganz allein abgießen kann? Ich gebe mein Bestes.«

Lachend verschwand Tim und insgeheim zählten die beiden Frauen die Sekunden, während sie am Küchentisch saßen. Sie kugelten sich fast vor Lachen, als wenige Momente später Lauras Schrei durch das Haus hallte: »TIM! MACH DIE TÜR ZU!«

Sogar Julian konnte für einen Moment nicht an sich halten, ehe er die Mädels mit gespielt vorwurfsvoller Miene ansah.

»Ups«, meinte Kerstin und grinste frech.

»Tja, die Tür kann man von außen leider nicht abschließen. Sonst hätten wir es getan. Ganz bestimmt«, versicherte Janine. »Immer noch froh darüber, dass du zuerst duschen warst?«

Julian sagte nichts, doch die Antwort stand ihm ins Gesicht geschrieben.

»Mach dir nichts draus«, meinte Kerstin. »Vielleicht triffst du morgen ja wieder Sabine.«

»Die habt ihr auch gefressen, oder?«, fragte Julian während er den Herd abschaltete.

»Das war nicht witzig!«, stellte Laura, die mit noch nassen Haaren dazu stieß, klar.

»Tut mir leid«, meinte Kerstin und schob der aufgeregten Freundin ein Glas Wein zu. »Aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Außerdem kannst du dir sicher sein, dass Tim gerade nicht an Sabine denkt.«

»Der braucht jetzt garantiert etwas länger unter der Dusche«, meinte Janine lachend.

»Igitt«, kam es von Laura, die das Gesicht zu einer Grimasse verzog.

»Mach dich mal locker«, erwiderte Janine. »Wir wissen doch alle, was in deinem Nachttisch schlummert.«

»Janine!« Laura wurde sofort knallrot, während Julian die Nudeln vor Lachen fast neben das Sieb geschüttet hätte.

»Meinst du wirklich, ihr kleiner Freund liegt noch im Studentenheim?«, fragte Kerstin. »Ich könnte schwören, dass es gestern Abend unter ihrer Decke gesummt hat.«

Laura schob ihr leeres Glas wortlos zu Kerstin, die grinsend nachschenkte.

Nachdem auch Tim frisch geduscht war, konnten sie zu fünft essen. Laura, wagte es nicht, ihrem Kommilitonen in die Augen zu sehen. Gerade als sie aus der Dusche gestiegen war, hatte er die Tür unvermittelt geöffnet. Sie war sich sicher, dass Tim einen exzellenten Ausblick auf wirklich alles gehabt hatte. Allein bei dem Gedanken an das peinliche Zusammentreffen lief sie erneut rot an.

Gleichzeitig konnte sie nicht anders, als über Janines Bemerkung nachzudenken. Ob er wirklich unter der Dusche masturbiert hatte? Und wenn ja, hatte er dabei an sie gedacht? Laura war sich unsicher, ob ihre zarte Seele ehrliche Antworten auf diese Fragen vertragen hätte.

Nach dem Essen verlegten die fünf Freunde ihr Beisammensein auf die gemütliche Couch. Schnell kamen sie wieder auf ihre Begegnung mit Sabine zu sprechen.

»Könntet ihr euch vorstellen, komplett nackt an den Strand zu gehen?«, fragte Janine.

»Meinst du, wenn andere dabei sind, die man kennt, oder einfach so für sich?«, wollte Julian wissen.

»Macht das einen Unterschied?«

»Auf jeden Fall«, warf Kerstin ein. »Außerdem finde ich noch wichtig, ob man als einzige nackt ist oder ob da noch andere so herumlaufen.«

»Leider sind es ja meist die, die man nicht so sehen will, die sich hüllenlos zeigen«, meinte Tim und lachte.

»Das kann man von Sabine aber nicht behaupten«, erwiderte Julian.

»Auf jeden«, freute sich sein Kumpel und streckte ihm sein Bier zum Anstoßen entgegen.

»Wie war es eigentlich vorhin mit Laura im Bad?«, fragte Kerstin und ignorierte den bösen Blick ihrer Freundin.

»Ein Gentleman genießt und schweigt«, antwortete Tim.

»Ein Gentleman platzt nicht einfach ins Bad«, gab Laura zu bedenken und konnte mit den anderen bereits über die Situation lachen.

»Was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Abend?«, wollte Julian wissen.

Nachdem sie am vorangegangenen Tag aufgrund der langen Reise nur noch ins Bett gefallen waren, hatten sie jetzt noch jede Menge Energie.

»Wir sollten was spielen«, schlug Janine vor.

»Was willst du denn spielen?«, fragte Laura.

»Strip-Poker!«, meinte Kerstin und lachte. »Dann haben wir alle noch mal was von Laura.«

»Muss das sein?«, fragte ihre Freundin.

»Es muss nicht«, meinte Tim und lächelte sie an.

»Das ist ganz allein deine Meinung«, sagte Julian bestimmt. »Aber du hast sie ja auch schon nackt gesehen.«

»Also wenn überhaupt bekommen wir auch was zu sehen«, meinte Janine. »Es ist schon etwas her, dass ich einen Blick auf eure kleinen Freunde werfen konnte. Oder geht da ohne Elena nichts?«

Erneutes Lachen erfüllte die Runde.

»Mal ganz im Ernst«, meinte Kerstin. »Hätte denn jemand ein Problem mit einem Spiel für Erwachsene?«

»Ja, ich«, antwortete Janine sofort. »Da dürften Julian und Tim nicht mitspielen!«

»Weil du ja ach so erwachsen bist. Nein, ganz im Ernst, ich wäre dabei«, sagte Julian.

Laura freute sich über die Möglichkeit, auch etwas zu sehen zu bekommen, ehe sie sich fragte, das wievielte Glas sie soeben geleert hatte.

»Unter einer Bedingung«, meinte sie und bevor sie weitersprach, warf Janine ein: »Okay, jeder darf eine Regel aufstellen und die gilt. Einverstanden?«

Alle nickten.

»Laura, deine Regel?«

»Was im Ferienhaus passiert, bleibt im Ferienhaus. Keine Fotos!« Die Studentin dachte an die zahlreichen Schnappschüsse von Elena auf ihrem Laptop. So etwas durfte auf keinen Fall von ihr existieren.

»Das finde ich eine gute Regel«, meinte Kerstin und auch die anderen stimmten zu.

»Deine Regel, Tim?«

»Nur ausziehen ist zu langweilig«, sagte er. »Wer nackt ist, muss weiterspielen und bekommt Aufgaben gestellt.«

Alle dachten sofort an die Aufgaben, die Elena hatte erfüllen müssen. Würden sie zueinander so fies sein oder es eher ruhig angehen lassen? Insgeheim legte sich jeder ein paar Aufgaben für die anderen zurecht.

»Deine Regel, Julian?«

»Aussteigen ist nicht. Mitgegangen, mitgehangen.«

Wieder nickten alle. Keiner wollte sich ausziehen oder eine peinliche Aufgabe erfüllen, wenn jemand anders im nächsten Moment kneifen konnten.

»Deine Regel, Kerstin?«

»Ich weiß ja nicht, was ihr genau vorhabt, aber ich sage mal: Ohne Gummi, keine Nummi.«

Die anderen sahen sie überrascht an.

»Das ist zumindest mal eine Marschrute«, meinte Julian und nahm einen kräftigen Schluck aus der Flasche.

»Und, Janine?«, wendete sich Laura, die sich nicht als einzige fragte, wie weit dieses Spiel gehen würde, an ihre Freundin. »Was ist deine Regel?«

»Irgendwie habt ihr schon alles abgedeckt«, erwiderte Janine und dachte dann angestrengt nach. »Wie wäre es, wenn ich das Spiel vorschlage?«

»Hatten wir uns nicht auf Strip-Poker geeinigt?«, fragte Kerstin.

»Nein, haben wir nicht!«, warf Laura energisch ein. Sie hatte einmal vor langer Zeit Poker gespielt und die Regeln nur vage im Kopf.

»Ich bin dafür, dass Janine entscheiden darf, was wir spielen. Immerhin war es initial ihr Vorschlag«, sagte Julian und die anderen stimmten ihm zu. Gespannt sahen sie Janine an und warteten auf ihre Entscheidung.

Welches Spiel schlägt Janine vor?

  • [54,1%] Flaschendrehen
  • [27,6%] Strip-Poker
  • [18,4%] Beer Pong

Die Umfrage ist geschlossen. (185 Stimmen)



175 Kommentare

Kommentar schreiben