Drei Minuten

Die laute Musik dröhnte in Marions Ohren. Sie fragte sich, wie viel Zeit schon vergangen war und haderte. Sollte sie mehr als fünfzig Männern das zeigen, was bisher nur zweien vergönnt gewesen war?

Ihr Freund hatte sie ausgerechnet am Valentinstag mit einer SMS‌ abserviert. Einer SMS!

Am liebsten hätte sich Marion das ganze Wochenende in der Wohnung verkrochen, doch das hatten ihre Freundinnen nicht zugelassen. Nachdem drei Flaschen Sekt beim‌ Vorglühen vernichtet worden waren, ging es in einen‌ Nachtclub.

Um auf andere Gedanken zu kommen, hatten sie ihr versichert. Dass die anderen vorher gewusst hatten, dass Amateurabend war, konnte Marion nicht beweisen. Doch es war sehr auffällig gewesen, wie sie von allen gedrängt worden war, mitzumachen. Sie sollte mal ausbrechen. Mal was Verrücktes machen.

Der jungen Frau wurde gleichzeitig heiß und kalt als sie unter dem Grölen der Männer und dem Jubel ihrer Freundinnen den BH auszog. Das sollte es doch nun gewesen sein, oder? Wie lange lief dieser Song noch?

Lauter Jubel auf der anderen Seite weckte Marions Interesse. Eine der anderen Frauen hatte den Slip bereits abgestreift und die Nächste war dabei.

Nein, das ging zu weit!

Alles in Marions Kopf drehte sich. Sie hatte sich extra für den Valentinstag intim rasiert. Nicht ein Haar würde ihr Geschlecht vor neugierigen Blicken schützen.

Das dritte Höschen fiel und Marion sah zur Frau neben sich. Diese erwiderte den Blick. Keine wollte am Ende als prüde gelten.‌

Was tun?

Flucht nach vorn!

Daumen links und rechts in den Slip und runter damit.

Als Marion aufsah, erkannte sie überraschte Gesichter bei ihren Freundinnen.‌ Ja, damit hatten diese nicht gerechnet. Und sie selbst am allerwenigsten.

Endlich war das Lied vorbei!

Schnell weg!

Was?

Warum ging das Licht an?

Drei Minuten Striptease waren hart gewesen. Doppelt so lange splitternackt im grellen Scheinwerferlicht zu stehen, immer versucht möglichst nicht verkrampft zu wirken, war deutlich härter.

Marions Freundinnen grinsten und hatten hoffentlich eine Idee, wo ihre Klamotten abgeblieben waren.

Marion   ENF

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