Plug and Play

»Verdammt«, fluchte Henry, der im Flur seiner Wohnung stand.

Ein kräftiger Zug hatte genügt und der Schnürsenkel war gerissen. Genervt streifte er die Anzugschuhe von den Füßen und griff sich ein anderes Paar. Um den kaputten Schnürsenkel würde er sich am Abend kümmern. Es war höchste Zeit ins Büro zu fahren, sodass der Mittdreißiger seine Aktentasche griff und die Wohnung verließ.

Aufgrund des Schuhwechsels verpasste er die U-Bahn und musste zehn Minuten warten. Im Coffee Shop, den er jeden Morgen aufsuchte, dauerte es eine halbe Ewigkeit. Die neue Mitarbeiterin hatte Probleme mit der Kasse und der junge Mann, der die Bestellung zubereitete, ließ den Pappbecher bei der Übergabe fallen.

Die wenigen Tropfen Kaffee, die es auf Henrys Schuhe geschafft hatten, wischte er mit einer Papierserviette weg. Anschließend konnte er mit einem neuen Kaffee endlich ins Büro laufen. Die wiederholten Entschuldigungen des Baristas ignorierte er.

»Guten Morgen«, begrüßte ihn Lukas, mit dem er sich das Büro teilte. »Du bist heute spät dran.«

»Hör bloß auf«, wiegelte Henry direkt ab. »Heute hat sich alles gegen mich verschworen.«

»Ja, solche Tage gibt es hin und wieder«, stellte sein Kollege fest. »Immerhin bist du noch pünktlich zum Meeting da.«

»Das hätte ich fast vergessen«, stellte Henry nach einem flüchtigen Blick in seinen Kalender fest.

»Du hättest es gern vergessen«, lachte Lukas. »Aber Kopf hoch. Das nächste Mal hast du mehr Erfolg. Es ist nur eine Frage der Zeit.«

Gemeinsam gingen die beiden Männer zum Besprechungsraum, wo die meisten anderen Kollegen ihrer Gruppe bereits warteten. Kurz darauf betrat Fabienne den Raum.

»Guten Morgen die Herren«, begrüßte sie ihre Mitarbeiter und fing an, ihre Strategie für die kommenden Monate zu erklären.

Henry nahm alles wie durch einen Schleier wahr. Als Fabiennes Blick ihn bei der Begrüßung kurz gestreift hatte, wurde ihm schlagartig der Grund für seine schlechte Laune b ...