Traditionelle Teamvorstellung

Keiner der jungen Männer, die es nach dem harten Auswahlverfahren in das Schwimmteam ihrer Universität geschafft hatten, verstand, warum sich die Zuschauerränge neben dem Becken kurz vor Ende des Trainings füllten. Ehe sie sich versahen, saßen mehr als einhundert Kommilitoninnen auf den Sitzen.

Diejenigen, die schon länger dabei waren, wussten genau, was die Stunde geschlagen hatte. Amüsiert blickten sie in die verwunderten Gesichter der Neuzugänge, als der Teamkapitän sie zu sich rief. Die Ansprache war kurz und prägnant. Hier und da wurde ein nervöser Blick über die Schulter geworfen.

Dann mussten die sechs Neuen zu den Startblöcken laufen und davor Aufstellung beziehen. Jeder von ihnen sah zu Boden und hatte plötzlich kein Auge mehr für die schönen Studentinnen an der Seite.

Ein lauter Pfiff ertönte.

Es dauerte eine Sekunde, ehe der Erste seine Badehose abstreifte und auf den Startblock stieg. Gemäß der vorherigen Anweisung unterdrückte er den Reflex, seine Körpermitte zu bedecken, während von den Rängen anerkennende Pfiffe zu hören waren. Dann traute sich der Nächste und der Nächste.

Schließlich standen alle sechs jungen Männer nackt auf den Startblöcken. Nur die äußeren Bahnen blieben leer. Ihrem Wunsch endlich ins Wasser zu kommen schob ihr Teamkapitän schnell einen Riegel vor. Stattdessen stellte er jeden mit vollem Namen sowie Studiengang vor und erwartete ein Winken in die Menge.

Dann erst gab es einen weiteren lauten Pfiff.

Sofort sprangen die Männer ins Wasser und absolvierten die fünfzig Meter bis zur anderen Seite des Beckens. Für etwa eine halbe Minute war der Fokus nicht mehr auf ihrem Intimbereich. So lange mussten sich die Frauen mit den Kehrseiten zufriedengeben.

Danach würden sie nur noch aus dem Becken steigen und einmal der Länge nach an den Zuschauerrängen vorbeilaufen müssen. Manch einer hatte schon vom Startblock aus eine ehemalige Klassenkameradin oder aktuelle Studienkollegin entdeckt. Anderen standen solche Überraschungen noch bevor.


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